Veranstaltungsberichte
Was braucht Bildung morgen? – unter diesem Motto fand am 17. und 18. November 2016 der VDP-Bundeskongress in Berlin statt. Rund 300 Verbandsmitglieder und Teilnehmer aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik widmeten sich den Herausforderungen, die zukünftig auf das Bildungssystem zukommen – oder bereits bestehen – und wie sie bewältigt werden können. Sei es durch die voranschreitende Digitalisierung oder durch die Integration der Flüchtlinge – die Bildungseinrichtungen müssen auf die sich verändernden Rahmenbedingungen reagieren.

Bild Publikum

Bild Chor

Der Bundeskongress wurde eröffnet durch den Chor der Privaten Kant-Schulen Berlin, der durch seinen musikalischen Beitrag zur feierlichen Stimmung der Veranstaltung beitrug. Im Anschluss dankte VDP-Bundesgeschäftsführer Dietmar Schlömp dem Chor und leitete auf Dr. Peter Tauber, Generalsekretär der CDU Deutschlands über, der in seiner Eröffnungsrede unter anderem auf die gesellschaftlichen Herausforderungen durch die voranschreitende Digitalisierung einging. Darüber hinaus betonte er, dass gerade in postfaktischen Zeiten Schulen Bastionen für Demokratie, Toleranz und Respekt sein müssen. Überleitend ging die ehemalige VDP-Präsidentin Petra Witt auf die Themen des diesjährigen Bundeskongresses ein und kündigte das nachfolgende Forum an. Auch sie verwies auf die Herausforderungen durch die Digitalisierung sowie auf den aktuell hohen Lehrkräftemangel. Im Anschluss betonte Thomas Duveneck, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin, in seinem Grußwort, dass

Bild Erffnung
freie Schulen ein selbstverständlicher und unverzichtbarer Teil des deutschen Bildungssystems sind und ging auf fünf zukünftige Herausforderungen im Bildungsbereich ein. Diese betreffen Bereiche wie Inklusion, Ganztagsbetreuung, Digitalisierung, Sicherung des Fachkräftebedarfs und Beschulung von Zugewanderten. Zuletzt stellte Andreas Wegener, Vorsitzender des VDP Landesverbandes Berlin/Brandenburg fest, was Schulen heute alles leisten müssen und brachte dadurch die steigende gesellschaftliche Erwartungshaltung an Schulen zum Ausdruck
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Bild Erffnung Gruppe
v.l.n.r.: Andreas Wegener, Thomas Duveneck, Dr. Peter Tauber, Petra Witt, Dietmar Schlömp

Foren und Fachgruppen:
Auch dieses Jahr konnte der VDP in den Foren hochkarätige Referenten begrüßen. Ein Höhepunkt war der Vortrag von Gerriet Danz, Innovationsexperte, Autor, Dozent Steinbeis Universität Berlin und St. Gallen Managementschool, der in seinem mitreißenden Vortrag die Möglichkeiten der Entwicklung von innovativen Ideen im Bildungsbereich aufzeigte. Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf von der Juristischen Fakultät der Leibnitz Universität Hannover ging in einem weiteren Forum auf das Spannungsverhältnis zwischen Privatschulfreiheit und staatlicher Schulaufsicht ein. Prof. Dr. Michael Schratz von der School of Education an der Universität Innsbruck referierte zum Thema Erfolgreiche Schulführung. Das Thema Burnout bei Kindern und Jugendlichen beleuchtete Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Am zweiten Konferenztag ging Prof. Marcel Fratzscher, Ph.D., Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW Berlin) auf das Thema der ökonomischen Ungleichheit und wie diese durch Bildung verhindert werden kann ein. Das Thema Digitalisierung griff Ralph Müller-Eiselt von der Bertelsmann Stiftung auf und zeigte, wie Schulen den radikalen Wandel des Lernens gestalten können.

Bild Foren
Auch alle Fachgruppen des VDP nutzten den Bundeskongress für ihre Arbeitstreffen mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen. In der Fachgruppe Allgemeinbildende Schulen hielt Daniela Sahraoui, stellvertretende Schulleiterin der KLAX-Sekundarschule in Berlin einen Vortrag zu den Herausforderungen bei der Integration von Flüchtlingskindern an Schulen. In der Fachgruppe Wirtschaftsschulen/AMDL und Sprachenschulen referierten Stefan Brummund, ESO Education Group und Dr. Helmut Suhr, Fachgruppenvorsitzender Sprachschulen zur Entwicklungen beim Produktportfolio der Bundesagentur für Arbeit und des BAMF sowie Bundesgeschäftsführer Dietmar Schlömp zur Lieferantenbeurteilungen der Bundesagentur für Arbeit. In der Fachgruppe Gesundheitsschulen ging FH-Prof. Jakob Doppler von der FH St. Pölten darauf ein, wie sich die Ausbildung junger Fachkräfte im Gesundheitswesen weiterentwickeln muss. In der Fachgruppe Naturwissenschaftliche-technische Schulen gab FG-Vorsitzender Hannes Pook darüber Auskunft, wie der Landesrechnungshof in Niedersachsen Schulen in freier Trägerschaft prüft.

Bild Fachgruppen

Darüber hinaus wurden neue Fachgruppenvorsitzende gewählt. Eine Übersicht über die neuen Vorsitzenden und Stellvertreter haben wir Ihnen bereits zukommen lassen. In den Pausen hatten die Teilnehmer die Gelegenheit sich auszutauschen und die Bildungsmesse mit zahlreichen Ausstellern zu besuchen.

Bild Aussteller

Podiumsdiskussion:

Bild Podiumsdiskussion
Die Podiumsdiskussion stand unter dem Motto:
Arbeitswelt 4.0: Wie gestalten wir die Zukunft der beruflichen Bildung? Moderiert wurde sie von Matthias Killing (Sat.1). Folgende Teilnehmer diskutierten auf dem Podium:


Prof. Dr. Stefan Sell
, Direktor des Instituts für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz: Er war der Meinung, dass die klassische Ausbildung nicht „out“ ist, stellte aber einen Fachkräftemangel im mittleren Segment bei Facharbeitern und Handwerkern fest. Seiner Meinung nach dürfen keine Modediskussion im Bereich der Ausbildungsgänge geführt werden. Man müsse sich bewusst machen, was der Arbeitsmarkt der Zukunft für Grundqualifizierung benötigt. Der Fokus müsse dabei auf dem Bereich der Weiterbildung liegen.

Dr. Barbara Dorn, Leiterin der Abteilung Bildung, Berufliche Bildung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA): Sie stellte fest, dass es heute sechs Prozent weniger Ausbildungsverträge gibt als noch im Jahr 2003, was dem Akademisierungstrend geschuldet ist. Dabei machte sie klar, dass allerdings zwanzig Prozent aller Meister und Fachkräfte mehr verdienen als Akademiker. Dies müsse stärker kommuniziert werden. Im schulischen Bereich vertrat sie die Ansicht, dass Lehrer immer mehr Mentoren sein müssen, die auch von ihren Schülern lernen.

Kornelia Haugg, Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung, Lebenslanges Lernen im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Sie vertrat die Meinung, dass das Bildungssystem schon immer mit großen Herausforderungen zu kämpfen hatte. Für  die Politik darf es nichts außergewöhnliches sein, auf diese Veränderungen zu reagieren. Sie stellte fest, dass die Flüchtlinge mit einem großen Bildungshunger zu uns kommen. Diese Potenziale müssen genutzt werden. Sie plädierte dafür, dass auch die Bundesländer ihre Verpflichtung in diesem Bereich erfüllen.

Friedhelm Siepe, Mitglied der Geschäftsleitung Bundesagentur für Arbeit: Er stellte fest, dass im Bereich der Flüchtlinge in Deutschland ein System der organisierten Unverantwortlichkeit herrscht. Ein kohärentes Finanzierungssystem sei unerlässlich. Bei der Beschulung von Flüchtlingen sieht er das Hauptproblem vor allem bei den fehlenden Deutschkenntnissen. Das Thema der Teilqualifikation müsse bei diesem Thema mitdiskutiert werden. Er war außerdem der Meinung, dass lebensbegleitende Weiterbildung zukünftig unverzichtbar wird. Dabei müsse mehr in Kompetenz und weniger in Qualifikation investiert werden.

Prof. Dr. Michael Heister, Leiter der Abteilung Berufliches Lehren und Lernen, Programme und Modellversuche, Bundesinstitut für Berufsbildung: Er stimmte zu, dass die vollzeitschulische Ausbildung gestärkt werden müsse. Zukünftig müsse überlegt werden, was wir brauchen. Ist beispielsweise im Bereich der digitalen Bildung das Fach IT für jeden Schüler notwendig oder benötigen wir einen Computerführerschein? Diese Fragen müssen wir uns zukünftig stellen.

Dietmar Schlömp, VDP-Bundesgeschäftsführer: Er machte deutlich, dass aufgrund der hohen Zahl an Flüchtlingen die vollzeitschulische Ausbildung als ergänzende Alternative stärker wahrgenommen und gefördert werden muss. Er war der Meinung, dass eine klare Struktur in den Bildungsfragen sowie eine koordinierte Steuerung im Bereich des Arbeitsmarktes erforderlich ist. Auch eine Veränderung bei der Ausbildung von Lehrkräften ist seiner Meinung nach notwendig.

Bild Diskussion Gruppev.l.n.r.: Prof. Dr. Michale Heister, Kornelia Haugg, Dietmar Schlömp, Dr. Barbara Dorn, Friedhelm Siepe, Petra Witt, Prof. Dr. Stefan Sell, Matthias Killing

Mitgliederversammlung:
Auf der Mitgliederversammlung gingen Petra Witt (ehemalige VDP-Präsidentin) und Dietmar Schlömp (VDP-Bundesgeschäftsführer) auf die Schwerpunktthemen des VDP-Dachverbandes im vergangenen Geschäftsjahr ein. Eine Gesamtübersicht der Arbeit des VDP im Jahr 2015/2016 können Sie dem schriftlichen Geschäftsbericht entnehmen, den wir Ihnen auf Wunsch gerne noch einmal elektronisch zur Verfügung stellen. Vorstandsmitglied Dr. Barb Neumann stellte außerdem den Finanzbericht vor. Erfreulich war die Verleihung der goldenen Ehrennadel an das langjährige VDP-Mitglied Gotthard Dittrich von der Rahn Dittrich Group.
Bild Ehrung Dittrich
Im zweiten Teil der Mitgliederversammlung wurde ein neuer VDP-Bundesvorstand gewählt. Dabei wurde Dr. Klaus Vogt, bisheriger Vizepräsident des VDP, ohne Gegenstimmen zum VDP-Präsidenten gewählt. Er ist seit 2010 Vorsitzender des Vorstandes beim Kolping-Bildungswerk Württemberg e. V. und Geschäftsführer bei 13 verbundenen Unternehmen des Kolping-Bildungswerks. In seiner Antrittsrede betonte Herr Vogt, dass er sich dafür einsetzt, dass freie Bildungseinrichtungen auch weiterhin als Initiatoren für Innovationen und reformpädagogische Konzepte wahrgenommen werden. Er sieht vor allem den gesellschaftlichen Wandel durch die Digitalisierung als große Herausforderung und ist überzeugt, dass freie Bildungseinrichtungen auch in diesem Bereich eine Vorreiterfunktion einnehmen werden. Weitere Themen, denen er sich widmen wird, sind unter anderem die Internationalisierung des Bildungssektors sowie der steigende Lehrkräftebedarf und die Stärkung der beruflichen Bildung.

Bild Vogt

Als Vizepräsidentin wurde Dagmar Mager bestätigt. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin des Instituts für Bildung und Beratung in Dresden. Neu als Vizepräsidenten im Vorstand sind Tim Balzer aus Berlin und Gerhard Helgert aus Nürnberg. Balzer führt seit 2004 die traditionsreichen Rackow-Schulen mit Standorten in Berlin und Frankfurt am Main. Helgert ist Gründer eines Mädcheninternats sowie der reformpädagogischen Jenaplan-Grundschule in Nürnberg. Tina Veigel aus Mainz und Udo Hermesdorf aus Hennef wurden als weitere Vorstandsmitglieder erstmals in den Vorstand gewählt. Veigel betreibt seit 1996 eine private Wirtschaftsschule in Mainz. Ihre Themenschwerpunkte sind vor allem der Bereich der digitalen Bildung. Hermesdorf ist Gründer der VESBE Trägergesellschaft gGmbH und des Europäischen Berufskollegs mit Sitz in Hennef. Er wird seine Kompetenzen insbesondere für den Bereich der Arbeitsmarktdienstleistungen in den Vorstand einbringen.

Bild VorstandDer neue VDP-Bundesvorstand, v.l.n.r.: Udo Hermesdorf, Tina Veigel, Dr. Klaus Vogt, Dagmar Mager, Gerhard Helgert, Tim Balzer

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