Veranstaltungsberichte
Freie Bildung in bewegten Zeiten“ – unter diesem Motto fand am 20. und 21. November in Stuttgart der diesjährige VDP-Bundeskongress statt. Rund 200 Verbandsmitglieder und Teilnehmer aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutierten bildungspolitische Entwicklungen, pädagogische Ansätze und rechtliche Rahmenbedingungen des freien Bildungswesens.

Eröffnung

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Der Bundeskongress wurde eröffnet durch zwei künstlerische Beiträge der Merz Schule Stuttgart. Ein klassisches Klavierstück stand dabei im spannenden Kontrast zu einer Rap-Einlage.

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Einleitend nahm Präsidentin Petra Witt Bezug auf die Entwicklungen im Bildungssystem der letzten Monate. Sie verwies auf die Aufweichung des Kooperationsverbots und auf die Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt. Außerdem machte sie deutlich, dass Lehrerinnen und Lehrer mehr denn je zum Schulerfolg beitragen und deshalb Reformen in der Lehrerausbildung notwendig seien.

Langfristige Themen wie digitale Bildung und Inklusion würden das freie Bildungswesen auch in Zukunft beschäftigen. In diesem Zusammenhang forderte Witt gleiche Wettbewerbsbedingungen für staatliche und freie Schulen. Nur so könne eine vielfältige Bildungslandschaft garantiert werden.

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Andreas Stoch, Kultusminister von Baden-Württemberg, machte in seiner Ansprache darauf aufmerksam, dass beim Thema freie Schulen immer noch großer Aufklärungsbedarf bestehe. Ein Großteil der Bevölkerung verknüpfe damit einen Elite-Begriff, der mit der Realität wenig zu tun habe. Er mahnte an, Vorurteile und Barrieren abzubauen.

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Stuttgarts Bürgermeisterin Dr. Susanne Eisenmann wies freien Bildungsträgern eine zentrale Bedeutung in der Bildungslandschaft zu. Dabei sei die Finanzierungsfrage noch nicht zufriedenstellend. Für viele freie Bildungseinrichtung gelte die vereinbarte 80 Prozent Regelung der staatlichen Finanzierung noch nicht.

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Michael Büchler, Landesvorsitzender des VDP Baden-Württemberg e.V., wies ebenfalls auf die schwierige Situation für das freie Schulwesen in Baden-Württemberg hin. Die Einführung der Versorgungsabgabe für verbeamtete Lehrer sei dafür ein gutes Beispiel.

Speed Debating
Dieses Jahr stellten sich Mitglieder des baden-württembergischen Landtags einem neuen Diskussionsformat: dem Speed    Debating. Dabei hatte jeder Teilnehmer maximal eine Minute Redezeit pro Frage. FAZ-Journalistin Heike Schmoll moderierte die Diskussion, die größtenteils vom Thema Ersatzschulfinanzierung bestimmt wurde. Volker Schebesta (CDU) verwies darauf, dass freie Schulen einen großen Beitrag für die Vielfalt in der deutschen Bildungslandschaft leisten. Demnach müsse sich hier erst noch eine Kultur der Anerkennung etablieren.

Klaus Maier (SPD) führte diesen Punkt weiter aus und sprach über die Diskriminierung freier Schulen. Muhterem Aras (Büdnis 90/Die Grünen) betonte die Vorreiterrolle der freien Schulen beim Thema Inklusion und forderte Reformen in Bezug auf den demografischen Wandel. Beim kontroversen Thema der Gemeinschaftsschulen argumentierte sie, dass es sich hierbei um ein Angebot und keine Verpflichtung handle. Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP) verwies darauf, dass das Sonderungsverbot nur eingehalten werden könne, wenn man freie Schulen ausreichend finanziere.

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Vor der Podiumsdiskussion hatte der Landesverband Baden-Württemberg einen „Erklärfilm“ gezeigt, der die aktuellen Herausforderungen des Privatschulwesens anschaulich darstellte.

Foren und Fachgruppen
In diesem Jahr beschäftigten sich die Foren unter anderem mit den Themen Fachkräftemangel und Langzeitarbeitslosigkeit, Lehrerausbildung, Mobiles Lernen sowie Private Schulen als Partner der Wirtschaft in der dualen Ausbildung.

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Prof. Dr. Friedhelm Hufen
von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ging in seinem Vortrag auf die großen Herausforderungen für freie Bildungseinrichtungen ein. Dabei stellte er unter anderem den Begriff der Ersatzschulen zur Debatte.


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Dr. Michael Winterhoff
, Kinder- und Jungend-Psychiater, beleuchtete in seinem Vortrag die Frage, warum vielen jungen Menschen der Start in das Berufsleben so schwer fällt.


Auch alle Fachgruppen der VDP nutzten den Bundeskongress für ihre Arbeitstreffen.

Mitgliederversammlung
Auf der Mitgliederversammlung stellten Petra Witt (VDP-Präsidentin) und Dietmar Schlömp (VDP-Bundesgeschäftsführer) ausgewählte Aktivitäten des VDP-Dach-verbands im abgelaufenen Geschäftsjahr sowie neue Mitarbeiter und den Themenplan für 2015 vor. Eine Gesamtübersicht der Arbeit des VDP im Jahr 2013/2014 können Sie dem schriftlichen Geschäftsbericht entnehmen, den wir Ihnen auf Wunsch gerne noch einmal elektronisch zur Verfügung stellen.

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Mit der Goldenen Ehrennadel des Verbandes wurde in diesem Jahr Dr. Wolfgang Flad ausgezeichnet. „Dr. Wolfgang Flad ist seit 45 Jahren als kritische Stimme im V
DP präsent. Er hat den Landesverband Baden-Württemberg mit gegründet und seitdem beratend unterstützt. Von 1980 bis 2004 war er Vorsitzender der Fachgruppe Naturwissenschaftliche Schulen und hat damit einen unverzichtbaren Beitrag für das freie Bildungswesen geleistet“, so Prof. Dr. Leo Gros von der Hochschule Fresenius Köln in seiner Laudatio.


pdfBericht des Bundeskongresses 2014 als PDF