Grundsatzdokumente
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1. Zukunftsfähigkeit

Die Zukunftsfähigkeit unseres rohstoffarmen Lebensraumes ist geprägt von den Investitionen in die Innovationskraft seiner Menschen. Nur gut ausgebildete und kontinuierlich weitergebildete Menschen können die notwendige Innovationskraft aufbringen und damit neue wertschöpfende Technologien und Dienstleistungen generieren.

Nur durch neue wertschöpfende Technologien und Dienstleistungen sind nachhaltige Wirtschaftssicherung und -förderung in einem rohstoffarmen Land möglich. Damit ist dauerhafte Bildung die Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit des Lebensraumes Deutschland.

Von gut aus- und weitergebildeten Kräften gehen Innovationsimpulse aus, die die deutsche Wirtschaft international wettbewerbsfähig erhalten und neue Betätigungsfelder öffnen.

Um diese Zukunftsfähigkeit nicht zu gefährden, dürfen gerade in konjunkturschwachen Zeiten die Bildungsanstrengungen nicht vermindert, sondern sie müssen sogar systematisch verstärkt werden.

2. Soziale Qualität

Bildungsniveau und soziale Qualität einer Gesellschaft hängen eng miteinander zusammen.

Lebenslanges Lernen durch kontinuierliche Weiterbildung sichert und entwickelt das Bildungsniveau, sichert und entwickelt soziale Qualität.

Durch lebenslanges Lernen (systematische Weiterbildung) werden nicht nur Kenntnisse und Fertigkeiten entwickelt, sondern auch Tugenden und Verhaltensweisen.

Durch Weiterbildung werden gesellschaftliche Werte (wie soziale Integration, Kritikfähigkeit und Fähigkeit, Kritik zu ertragen, Toleranz, Eigenverantwortlichkeit), Tugenden und Verhaltensweisen (wie Verlässlichkeit, Lebenszielsetzung) entwickelt und gefestigt. Daher ist gerade in Zeiten der Erwerbslosigkeit systematische Weiterbildung notwendig, damit dem Einzelnen und der Gesellschaft diese Fähigkeiten nicht verloren gehen. Sie sind ein entscheidender Faktor für das sozial-menschliche Klima unserer Gesellschaft. Sie zu vernachlässigen und zur beliebigen Privatsache zu erklären bedeutet, die Entwicklung wünschenswerter sozialer Strukturen zu erschweren.

Damit wird deutlich, dass neben dem Einzelnen und der Wirtschaft auch der Staat in besonderem Maße Verantwortung für Weiterbildung trägt. Bund und Länder haben sich im Rahmen einer Gemeinschaftsaufgabe finanziell zu engagieren.

Weiterbildung ist vor allem gesamtwirtschaftliche Notwendigkeit, nicht Reparaturinstrumentarium für die Arbeitsmarktprobleme Einzelner.

3. Wirtschaftlichkeit

Die Frage nach Wirtschaftlichkeit ist immer auch eine Frage nach Investition und Ergebnis: Wenn eine Gesellschaft volkswirtschaftlichen Wohlstand anstrebt, muss sie in die Faktoren investieren, die diesen volkswirtschaftlichen Wohlstand fördern. Einer dieser zentralen Faktoren ist Bildung. Solange aber Bildung und insbesondere Weiterbildung als „Kostenfaktor“ und „Subvention“ definiert werden, führt das zu einem Klima, das Investitionen jeglicher Art, vor allem aber Bildungsinvestitionen hemmt. Die Folgen mangelnder Investitionen führen zu Ausgleichsforderungen an den Staat: Subventionsforderungen, Steuersenkungsforderungen, Arbeitslosen- und Sozialhilfeforderungen etc. Derartige Transferleistungen des Staates sind höchst unwirtschaftlich, da sie nicht ergebniswirksam (und auch nicht wertschöpfend) eingesetzt werden. In der Regel belasten diese Transferleistungen den Haushalt sogar noch stärker als die eingesparten Investitionen ihn belastet hätten.

Sofern die Folge mangelnder Investition in Bildung durch den „Einkauf“ ausländischer Experten (Greencard) symptomatisch gelöst werden kann, bleiben dennoch negative Effekte auf den Binnenarbeitsmarkt: Bildungsfähige Arbeitskräfte verharren in kostenintensiver Arbeitslosigkeit.

Investitionen in Weiterbildung sind hingegen wirtschaftlich sinnvoll,
weil qualifizierte Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit in Arbeitsprozessen integriert sein werden und damit Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen, statt die sozialen Sicherungssysteme zu belasten,
weil die in Arbeitsprozesse integrierten Menschen infolge höherer Einkommen größere Bedarfe durch höheren Konsum decken und damit zum Wirtschaftswachstum beitragen,
weil weitergebildete Menschen in individuellen Ernstsituationen besser zur Selbsthilfe befähigt sind und weniger Unterstützungsleistungen des Staates benötigen,
weil schlecht qualifizierte Menschen in den Betrieben unproduktive Kosten verursachen, letztlich deswegen aus dem Arbeitsprozess verdrängt werden und dann die Gemeinschaft belasten,
weil häufige Folgekosten langer Arbeitslosigkeit (zum Beispiel die Folgen von Überschuldung, Drogen- und Suchtproblemen, Kriminalität, Vandalismus, politischem Radikalismus etc.) reduziert werden.

Eine systematische Investition in Bildung stärkt zudem den Wirtschaftsfaktor Binnenbildungsmarkt, der in Form leistungsstarker, i. d. R. mittelständischer, Bildungsdienstleister zu tausenden Arbeitsplätzen und regionaler Kaufkraft führt.

In der Weiterentwicklung dieser Überlegung kann eine starke Bildungsbranche Bildungsdienstleitungen exportieren statt sie direkt oder indirekt zu importieren.

Ein gesichertes Weiterbildungssystem kann Exporteur beruflicher Bildung sein, was nicht nur unmittelbar Einnahmen für die deutsche Volkswirtschaft bedeutet, sondern auch unterstützend für die übrigen exportierenden Wirtschaftszweige die erforderlichen Kontakte zu ausländischen Geschäftspartnern auf- und ausbaut.

4. Aktivierung

Wir leben im 21. Jahrhundert in dynamischen, hochgradig arbeitsteiligen und hoch technologisierten Volkswirtschaften.

Mit dieser Dynamik sinkt die Halbwertzeit unseres Wissens: Fach- und Methodenkompetenzen müssen in schnelleren Rhythmen bis hin zu kontinuierlichen Prozessen überprüft und verändert werden. Mit dieser Dynamik steigt auch das individuelle Risiko unverschuldeter Arbeitslosigkeit.

Daraus folgt für den Staat
die Verpflichtung, im Rahmen der Daseinsfürsorge für seine Bürger zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse auf Bildung, Arbeit und Integration beizutragen,
das Interesse, der Gefahr entgegenzuwirken, dass Kompetenzen seiner Bürger brach liegen.

Das menschliche Grundbedürfnis nach Bildung, Arbeit und Integration und das staatliche Bedürfnis nach Aktivierung aller Kompetenzen werden durch Weiterbildung befriedigt.

Dynamische, in hohem Maße arbeitsteilige und technologisierte Volkswirtschaften bedingen und erfordern einen dynamischen Arbeitsmarkt und qualifizierte Arbeitskräfte.

Die gleichzeitige Forderung der Volkswirtschaft nach arbeitsmarktlicher Dynamik und hoher Qualifikation entspricht nicht der zu beobachtenden Realität.

Diese Forderung kann besser befriedigt werden, wenn gleichzeitig in die Dynamisierung des Arbeitsmarktes (z. B. Beschleunigung von Vermittlungsprozessen) und in die Aktivierung brachliegender Kompetenzen (Weiterbildung) investiert wird. Sowohl Weiterbildungsanstrengungen ohne Dynamisierung als auch Dynamisierungsanstrengungen ohne Qualifizierung gehen ins Leere.

5. Vernetzung

Bildungseinrichtungen verfügen über vielfältige Kontakt- und Kommunikationsnetzwerke nach innen und außen.

Diese Netzwerke bedeuten für Menschen in Weiterbildung und für Institutionen, die Weiterbildung fördern, einen Wert an sich. Sie ermöglichen und fördern Kontakte zu anderen Menschen in Weiterbildung, zu Dozenten und Praktikern und über diese zu weiteren Schnittstellen: sie ermöglichen und fördern Kontakte zu anderen Institutionen und vordringlich zu Unternehmen als potenziellen Arbeitgebern. Ohne diese Vernetzung drohen Arbeitslose der Isolation und damit der Chancenlosigkeit zu verfallen.

Weiterbildungseinrichtungen haben systematisch solche externen Kontakte – insbesondere zur regionalen Wirtschaft – aufgebaut und pflegen diese zielgerichtet.

Dieses aktive und funktionierende Kontakt- und Kommunikationsnetzwerk katalysiert höchst effizient Bewerbungsaktivitäten von arbeitssuchenden Weiterbildungsteilnehmern und bildet eine exzellente (und wirtschaftliche) vermittlungsfördernde Infrastruktur. Ohne diese vermittlungsfördernde Infrastruktur, in der mehrere tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Weiterbildungsunternehmen aktiv den Personalbedarf regionaler Unternehmen erfragen und Kontakte zu geeigneten (weil qualifizierten) Bewerbern herstellen, müsste eine neue, kostenintensive Struktur über die Arbeitsverwaltung aufgebaut werden.