Pressemitteilungen
Nr. 7/2017

Berlin, 25. April 2017 – In Berlin werden die Anforderungen an das Kita-Personal drastisch gesenkt. Ab 1. Mai darf zukünftig jeder dritte Kita-Mitarbeiter nicht ausgebildet sein. Bislang lag die Quote bei 25 Prozent. Zukünftig können auch Sozialassistenten als Quereinsteiger auf den Erzieherschlüssel angerechnet werden. Der Verband Deutscher Privatschulverbände e. V. (VDP) sieht darin ein falsches Signal für andere Bundesländer. Um die Qualität der Kita-Betreuung zu gewährleisten und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müssen Anreize geschaffen werden, um ausreichend Erzieherinnen und Erzieher auszubilden.

In Berlin konnten zuletzt schätzungsweise über 2.000 Kita-Plätze nicht belegt werden, weil die Einrichtungen nicht genug Personal finden konnten. Bis zum Jahr 2020 werden laut Senat rund 4.800 zusätzliche Fachkräfte gebraucht. Auch deutschlandweit ist der Mangel spürbar.  Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (Wiff) schätzt, dass allein für den geplanten Ausbau von Kita-Plätzen für unter Dreijährige bis 2025 rund 64.000 pädagogische Fachkräfte zusätzlich benötigt werden. Dies liegt auch an den zehntausenden Flüchtlingskindern, die wegen mangelnder Sprachkenntnisse und traumatischer Erlebnisse einer besonderen Zuwendung bedürfen. „Es müssen Anreize, wie bessere Bezahlung und günstigere Beschäftigungsbedingungen gewährleistet werden, um mehr Erzieherinnen und Erzieher für den Ausbildungsberuf zu gewinnen“, so Dietmar Schlömp, Bundesgeschäftsführer des VDP.

Die hohe Zahl an Quereinsteigern bedeutet eine Mehrbelastung für die ausgebildeten Erziehrinnen und Erzieher, die diese erst anleiten müssen. Sinnvoller wäre es, die Einrichtungen vermehrt durch Verwaltungskräfte zu entlasten. Wenn die Hälfte der anfallenden Tätigkeiten einer Kita-Leitung durch kaufmännisches Personal unterstützt würde, würden mehr Erzieher frei, um Ihrer erzieherischen Tätigkeit nachzugehen. Durch die geplanten Abstriche bei den Anforderungen für die Kita-Beschäftigten droht eine Verschlechterung der Qualität der pädagogischen Arbeit. „Es müssen deshalb mehr finanzielle Mittel für die pädagogische Ausbildung zur Verfügung gestellt werden. Nur so kann dem drohenden Fachkräftemangel langfristig entgegengewirkt werden“, so Tim Balzer, Vizepräsident des VDP.

Pressemitteilung als PDF - Pädagogen-Mangel: Senkung der Anforderungen für Kita-Personal ist falsches Signal
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