Aus den Landesverbänden
Schwerin, 9. Mai 2017

Im Sozialausschuss des Landtages werden am Mittwoch Experten von Fachverbänden über die Änderung des Kindertagesförderungsgesetzes beraten. Der von SPD und CDU eingebrachte Gesetzentwurf sieht u.a. die Einführung einer dreijährigen Ausbildung zur Kita-Fachkraft und die Möglichkeit für Kita-Betreiber vor, bis zu 25 Prozent Nicht-Erzieher zu beschäftigen. Der Verband Deutscher Privatschulen (VDP) sieht darin ein falsches Signal: Statt den bundesweit anerkannten Erzieherberuf abzuwerten, sollten Anreize für Ausbildungsinteressierte geschaffen und die Qualität der Kita-Betreuung verbessert werden.  

Mehr als die Hälfte der angehenden Erzieher in M-V lernen an einer privaten Fachschule. „Der Beruf des Erziehers ist anerkannt, gefragt und anspruchsvoll“, so Dr. Barbara Dieckmann, Landesvorsitzende des VDP. „Bewerber mit mittlerer Reife schließen zunächst eine zweijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Sozialassistenten und im Anschluss eine zweijährige Fachschulausbildung zum Erzieher ab. Für Schulabgänger mit Berufsreife steht der Weg über die Ausbildung zum Kinderpfleger offen. Für Abiturienten verkürzt sich die Ausbildung auf insgesamt drei Jahre.“ Dieckmann befürchtet, dass sich junge Bewerber vermehrt für die Ausbildung zur Kita-Fachkraft entscheiden. „Damit werden den Kitas weniger Erzieher zur Verfügung stehen.“ Doch die neue Ausbildung hat Nachteile, erklärt VDP-Geschäftsführer Christian Schneider: „Absolventen sind auf die Arbeit mit Kindern nur bis 10 Jahren festgelegt, die Ausbildung ist in anderen Bundesländern nicht anerkannt und entspricht eher einem Berufsabschluss als Hauswirtschafter oder Restaurantfachfrau. Der Erzieher hingegen ist vergleichbar mit einem Betriebswirt, Meister oder einem Bachelorabschluss. Dies spiegelt sich auch beim Gehalt wider“. Dass wie beim Studium kein Ausbildungsgehalt gezahlt wird, sollte Bewerber nicht abhalten, sich für die Erzieherausbildung zu entscheiden: „Da der Erzieher an der Fachschule zuvor durch seine Ausbildung zum Sozialassistenten ja bereits einen Berufsabschluss erlangt hat, werden wie bei der Meisterausbildung Ausbildungskosten und bis zu 768 EUR für den Lebensunterhalt über das Aufstiegs-BAföG gefördert. Für Verheiratete und Kinder gibt es Aufschläge bis zu 235 EUR. Alleinerziehende können sogar einen Betreuungszuschuss von 130 EUR im Monat erhalten.“, so Schneider.

Kritik üben die Schulen auch an der Ausgestaltung der praktischen Ausbildung. Während Schüler in der Erzieherausbildung auch unterschiedliche Krippen-, Kindergarten- oder Hortträger sowie Heime und Jugend-einrichtungen und somit verschiedene Formen und Methoden der pädagogischen Arbeit mit den unterschiedlichen Altersgruppen kennenlernen, schließt der Fachkraft-Azubi einen Ausbildungsvertrag nur mit einem Träger ab. Der darf sogar von einem fachfremden Krankenpfleger angeleitet werden. Auch die Erweiterung des Fachkräftekatalogs und die Anrechnung auf den Personalschlüssel der Kindertageseinrich-tungen werden die Qualität der pädagogischen Arbeit senken, glaubt Schneider. „Als begleitende Angebote sind weitere Professionen in der Kita eine gute Sache. Aber erklären Sie den Eltern bitte, dass in der Kindergartengruppe ihres Kindes, für das Erlernen von Sozialkompetenzen oder Sauberkeitserziehung leider kein Erzieher, sondern nur ein Logopäde oder Auszubildender zur Verfügung steht.“ Letztere werden bei den Entgeltverhandlungen der Einrichtungen mit den Gemeinden zu 40 Prozent als Fachkraft angerechnet. „Das ist billig für das Land. Aber es fehlen dann die richtigen Erzieher.“

Die Schulen fordern, mehr berufsbegleitende Ausbildungen, z.B. für Kinderpfleger und Sozialassistenten zu ermöglichen und die Attraktivität der Erzieherausbildung zu erhöhen. „Die Landesregierung sollte die Finanzierung der Schulen verbessern und angehende Sozialassistenten und Erzieher bei den Kosten der Ausbildung direkt unterstützen, damit die Ausbildung für alle kostenlos wird.“, so Dieckmann. Eine Ausbil-dungsfinanzierung über den Personalschlüssel der Einrichtungen lehnt der VDP ab. „Wir wollen das Fachkraft-Kind-Verhältnis weiter verbessern und nicht verschlechtern“.

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