Aus den Landesverbänden
NR. 06/2015

NRW: Das Schulministerium erschwert den Weg zur Privatschule und zum Abitur

Für einige Eltern wird es ab dem kommenden Schuljahr deutlich umständlicher, ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken. Betroffen sind zukünftige Abiturienten, die sich an einer Ergänzungsschule auf das Abitur vorbereiten möchten und (junge) Menschen, die ihr Abitur ohne den vorhergehenden Besuch einer Schule ablegen wollen (sogenanntes ‚Externenabitur‘). Durch eine geplante „Änderung der Verordnung über die Abiturprüfung für Externe (Externen-Abiturprüfung- PO-Externe-A)“ müssen sie gegebenenfalls ein Jahr später das Abitur machen, müssen ein Jahr länger zu Schule gehen.

Gerade in der Oberstufe entscheiden sich viele Eltern zum Schulwechsel ihres Nachwuchses. An Ergänzungsschulen werden noch 13 Schuljahre angeboten – ein Service, den immer mehr Eltern im Rahmen der Neuregelung zu G8 zu schätzen wissen. Gerade für Kinder, die übersichtliche Klassengrößen, intensive Betreuung und eine strukturierte Lernkultur benötigen, ist eine Ergänzungsschule die Schule der Wahl. „Der Weg zum Abitur nach 13 Jahren nimmt ihnen den Stress und gleichzeitig beweisen die sehr guten Bestehensquoten an Ergänzungsschulen, dass auch Jugendliche, die an öffentlichen Schulen ausgesiebt werden, mit entsprechender Förderung zum Abschluss kommen“, führt Eva Lingen, Geschäftsführerin des Verband Deutscher Privatschulen NRW e.V., aus.

Nun soll die Externen-Abiturprüfungsordnung zum Nachteil dieser Schülerinnen und Schüler geändert werden. Bislang war geregelt, dass sich Bewerberinnen und Bewerber „ zur Prüfung anmelden, wenn sie in dem der Prüfung vorausgegangenen Jahr kein öffentliches oder als Ersatzschule genehmigtes oder vorläufig erlaubtes Gymnasium oder keine andere zur allgemeinen Hochschulreife führende Schule oder Einrichtung besucht haben.“ In der Neufassung soll das Wort "Jahr" durch das Wort "Kalenderjahr" ersetzt werden. Dieses eine Wort verlängert in der Praxis die Schulzeit bei einem Wechsel im ersten Schulhalbjahr der Jahrgangsstufe 12 um ein weiteres Jahr, so dass die Schüler im Ergebnis zehn Jahre bis zum Abitur benötigen. „Dies ist eine unangemessene Benachteiligung der Schülergruppen, zumal ein Schüler/in, der/die externe Abiturprüfung besteht, ja seine allgemeine Hochschulreife bewiesen hat. Im Kern kommt es bei der Abiturprüfung ja nicht auf die Zulassung, sondern das tatsächliche Bestehen an“, kritisiert Lingen.

Nun wird am morgigen Mittwoch, 17.06.2015 der Entwurf der Verordnung, die am 1. August in Kraft treten soll, dem Ausschuss für Schule und Weiterbildung des Landtags vorgelegt. Mit Spannung darf erwartet werden, ob der Ausschuss dem vorgelegten Entwurf zustimmt oder nicht.

Der VDP Verband Deutscher Privatschulen NRW e.V. vertritt freie nordrhein-westfälische Bildungseinrichtungen im allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulbereich sowie in der Erwachsenenbildung und im tertiären Bereich (Hoch- und Fachhochschulen). Der 1901 gegründete Bundesverband und der Landesverband binden ihre Mitglieder weder weltanschaulich noch konfessionell oder parteilich.

Verantwortlich für den Inhalt: Eva Lingen - VDP Verband Deutscher Privatschulen Nordrhein-Westfalen e.V.